Gesunde Abgrenzung zwischen Arbeit & Freizeit

Die Fähigkeit, Arbeit und Freizeit voneinander abgrenzen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung, um „abzuschalten“ und Kraft für den nächsten Arbeitstag zu sammeln.

 Eine Person mit Mütze und Outdoor-Kleidung steht mit geschlossenen Augen im Sonnenlicht eines Waldes.
Ein Mann trägt ein Kind auf den Schultern, während eine Frau daneben steht, im Freien.

Ein bewusstes Abschalten nach Feierabend hilft dabei, die Kraft zu sammeln, die für den nächsten Arbeitstag benötigt wird. Erfahren Sie nachfolgend, wie Sie Privates und Berufliches erfolgreich voneinander abgrenzen können und nehmen Sie sich Tipps mit für Ihren persönlichen Alltag.

Gesunde Abgrenzung – aber wie?

Denken Sie an Ihr Schichtende, wie Sie alle Gedanken an die Arbeit und den Arbeitsplatz fallenlassen. Spätestens am Werktor lassen Sie alle Gedanken über die Arbeit zurück. Familie, Freund:innen und der Feierabend erwarten Sie. Was löst diese Beschreibung in Ihnen aus? Trifft diese Beschreibung, so oder in ähnlicher Form, auf Sie zu? Was denken Sie über eine so deutliche Abgrenzung von Arbeit und Freizeit?

Nicht immer ist es leicht, dieses Abschalten, diese Trennung von Arbeit und Freizeit zu erreichen. Durch eine hohe Arbeitslast, kurzfristige Deadlines oder emotionsgeladene Themen, kann es schnell passieren, dass man sich auch nach Feierabend in Gedanken weiter mit Fragestellungen oder Problemen aus dem Arbeitsleben beschäftigt. Entweder gezielt oder vielleicht auch unbewusst. Wenn Sie Ihre Fähigkeiten zur Abgrenzung von Arbeit und Freizeit ausbauen wollen, können Ihnen die folgenden Tipps helfen:

Ein Finger drückt auf den Einschaltknopf eines Laptops.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Tagesplanung auch Raum für Unvorhergesehenes. Sie verringern so die Wahrscheinlichkeit, in Zeitnot zu geraten, die Sie vor die Wahl stellen würde, wichtige Aufgaben unerledigt zu lassen oder den Feierabend aufzuschieben.

Aufgaben, die sich vor Feierabend nicht mehr erledigen lassen, notieren Sie auf einem (digitalen) Zettel und legen diesen am immer gleichen Ort ab. Durch den Einsatz dieses „externen Speichers“ ist sichergestellt, dass die Themen und Gedanken nicht verloren gehen, auch wenn Sie diese nicht ständig in Ihrem Kopf (interner Speicher) präsent halten.

Ziehen Sie zum Feierabend (etwa direkt vor dem Herunterfahren Ihres Rechners) ein Fazit all der Dinge, die Sie am jeweiligen Tag geschafft haben. Machen Sie sich bewusst, was Sie erreicht haben und finden Sie so einen positiven Abschluss des Arbeitstages.

Geräte, die Sie mit nach Hause nehmen, schalten Sie bewusst aus, um sich so im Bedarfsfall daran zu erinnern, dass Sie in Ihrer Freizeit nicht „kurz nach den Mails schauen“ wollen.

Suchen Sie sich einen Punkt auf Ihrem Heimweg aus, ab dessen Erreichen Sie nicht mehr an die Arbeit denken wollen. Vielleicht ist dieser Ort bereits das Werkstor, vielleicht auch erst die heimische Autobahnabfahrt oder U-Bahn-Haltestelle. Wichtig ist, dass Sie diesen Ort stets bewusst passieren.

Gesunde Abgrenzung im Homeoffice

Im Homeoffice ist eine saubere Trennung von Arbeit und Freizeit mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Schließlich spielen sich Arbeit und Freizeit hier am gleichen Ort ab. Die Arbeitsmaterialien sind permanent erreichbar, genauso wie die Gegenstände zur Freizeitbeschäftigung. Hier helfen die folgenden Tipps:

Im Idealfall können Sie Ihren Arbeitsort auch im Homeoffice räumlich trennen, etwa mit einem eigenen Arbeitszimmer. Wenn Sie diese Möglichkeit nicht haben, empfiehlt sich eine zeitlich begrenzte, bewusste Umwidmung. So kann der Küchentisch in der Zeit von 08:30 - 17:00 Uhr als Arbeitstisch dienen. Salz und Pfefferstreuer haben auf dem Arbeitstisch dann allerdings keinen Platz. Genauso verschwindet der Laptop, wenn der Arbeitstisch um 17:00 Uhr wieder bewusst zum Küchentisch wird.

Definieren Sie auch im Homeoffice klare Arbeits- und Pausenzeiten. Stimmen Sie diese mit Vorgesetzten und Kolleg:innen ab, sodass transparent ist, wann Sie erreichbar sind und wann nicht.

Wenn die Notwendigkeit entfällt, für die Arbeit bestimmte Kleidung anzuziehen, oder einen längeren Arbeitsweg zurückzulegen, drohen (unbewusste) Rituale verloren zu gehen. Diese Rituale erleichtern allerdings die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit. Tragen Sie daher auch im Homeoffice Arbeitskleidung, legen Sie den Arbeitsweg ins Arbeitszimmer bewusst zurück.

Abgrenzung für Produktivität

Bisher haben Sie primär gelernt, wie Sie sich effektiv von Ihrer Arbeit abgrenzen können, um in Ihrer Freizeit Erholung zu finden. Abgrenzung ist jedoch auch in die andere Richtung erforderlich. Die Produktivität am Arbeitsplatz wird beeinträchtigt, wenn Sie in Gedanken bei Themen aus Ihrem Privatleben sind. Die Nutzung des privaten Handys am Arbeitsplatz kann leicht zu einem Auflösen klarer Grenzen führen.

Um sicherzustellen, dass Sie sich auch von Ihrem Privatleben abgrenzen können, prüfen Sie am besten, welche der vorgestellten Techniken auch zur Abgrenzung von der Freizeit und Fokussierung auf die Arbeit funktionieren. Können die Techniken 1:1 in beide Richtungen angewendet werden, oder sind Anpassungen nötig?

Eine Person sitzt auf einem Sofa und schaut auf ein Smartphone, daneben ein Notizbuch und Tablet.

Abgrenzung zu 100%?

Eine gelingende gegenseitige Abgrenzung von Arbeit und Freizeit ermöglicht zweierlei: Konzentriertes und effektives Arbeiten und eine erholsame und selbstbestimmte Freizeit. Doch ist es möglich, sich stets vollständig abzugrenzen? Oder gibt es Situationen, die eine Durchlässigkeit dieser Grenze erfordern?

Stellen Sie sich die folgenden Fragen, um zu reflektieren, wie es um Ihre persönliche Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit steht:

  • Wie sieht eine gelungene Grenze zwischen Arbeit und Freizeit aus?
  • Welches Bild haben Sie im Kopf? Denken Sie an einen Staudamm? Ein Flatterband? Eine Stahlbetonmauer? Eine gedachte Linie? Oder gibt es noch ein besseres Bild für Sie?

Diese Fragen helfen Ihnen dabei, ein etwas klareres Bild über Ihre eigene Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen.